In den beiden Städten sollen jeweils rund 20 Arbeiten im öffentlichen Raum gezeigt
werden, die sich mit dem konkreten Stadtraum und den spezifischen architektonischen
oder historischen Gegebenheiten auseinandersetzen. Davon sollen 15 Arbeiten vor Ort
für die Ausstellung neu geschaffen werden, vorhandene Werke werden wir ‚ortsspezifisch’
einsetzen. Neben den Stadtraum sollen öffentliche und halböffentliche Innenräume
wie Kirchen, Synagogen, Passagen, Historische Museen oder aufgelassene Gebäude
in den Parcours der Installationen einbezogen werden. Dem Thema entsprechend
handelt es sich bei der Mehrzahl der ortsspezifischen Arbeiten um architekturbezogene
Interventionen, skulpturale Werke und Installationen. In Zamość werden die
Arbeiten vor allem am zentralen Platz (Rynek Wielki) und den umliegenden Gebäuden
installiert, in Potsdam wird der Parcours sich über das Gebiet der ersten und zweiten
barocken Stadterweiterung erstrecken.
Zu den vorhandenen Werken, die wir ortsspezifisch einsetzen wollen, gehören vor allem
mediale Arbeiten, u.a. die Homes for America von Dan Graham, die, wie ursprünglich
von Graham intendiert, als Diaprojektion gezeigt werden sollen sowie Fotoarbeiten von
Craigie Horsfield, die in den 1970er Jahren in Zamość entstanden sind.
Neben den ortsspezifischen Arbeiten, die das Herzstück des Projektes bilden, wird es
eine mehrteilige Ausstellung geben, die die uns wesentlichen Aspekte des Themas
umkreist. Dabei ist uns daran gelegen, die ausgewählten Arbeiten und Künstler nicht
als Belege unserer Thesen zu funktionalisieren, der Ausstellung aber trotzdem einen
essayistischen Charakter zu verleihen. Die Ausstellungsteile werden nicht als
fortlaufende Kapitel inszeniert. Werke aus den einzelnen thematischen Bereichen
werden gemeinsam gezeigt und sollen sich ‚wechselseitig Erhellen’. Vergleichbar den
künstlerischen Interventionen im Stadtraum wird auch die Ausstellung dezentrale
Spielorte nutzen, die allerdings alle in fußläufiger Nähe voneinander liegen.
Neben den künstlerischen Arbeiten, die außerhalb konkreter städtebaulicher und
architektonischer Projekte stehen, haben wir mit Le Corbusier, Oskar Niemeyer,
Oskar Hansen und Hermann Sörgel auch vier Architekten mit Idealstadtentwürfen
für die Ausstellung ausgewählt.
– Der erste Teil der Ausstellung widmet sich explizit der Idealen Stadt. Im Kontrast
zu den Idealstädten Zamość und Potsdam, die den Hintergrund für unser Projekt
bilden, sollen in der Ausstellung drei Idealstadtplanungen aus dem Geist der Moderne
gezeigt werden: Le Corbusiers Chandigar, Oskar Niemeyers Brasilia und Oskar Hansens
Planungen für Lublin aus den 1960er Jahren sollen anhand von Fotoinstallationen
dokumentiert werden. Den skulpturalen Rahmen für die Dokumentation soll eine
Installation von Tilman Wendland bilden. Dazu läuft der Brasilia - Film Vacancy von
Matthias Müller.
– Der folgende Ausstellungsteil ist den unsichtbaren Städten gewidmet. Während im
vorangegangenen Teil Planungen gezeigt werden, die vom ungebrochenen Glauben
der Moderne an die Perfektibilität von Plänen und Menschen geprägt sind, bilden hier
die anarchisch-situationistisch geprägten Visionen der späten 60er Jahren – vertreten
durch Arbeiten von Constant – den Übergang zu rein künstlerischen Arbeiten, die sich
dem Thema eher indirekt nähern oder sich auf abgründige Weise mit dem Phänomen
der Unsichtbarkeit von Städten auseinandersetzen, wie Rula Halawanis mehrteilige
Videoinstallation über die neue Mauer in Jerusalem.
Bis heute lassen sich Künstler von Italo Calvinos Buch(titel) anregen, wie z.B. Jonas
Dahlberg der dem Begriff für sich ganz neu definiert. Die Ausstellung will auch die
Faszination, die von der Idee der unsichtbaren Städte ausgeht thematisieren.
– Der abschließende dritte Teil The Grid ist eine Hommage ‚against all odds’ an das
Raster und den rechten Winkel. Die Tradition der konstruktiven und konkreten Kunst
ist geistesgeschichtlich eng mit der Idee einer idealen Stadt verwoben.
Diesen Verbindungen wollen wir insbesondere mit Arbeiten von Künstlern nachspüren,
die sich spielerisch mit der Tradition der Moderne auseinandersetzen (wie etwa Jarosław
Fliciński und Gerold Miller).
Die ausgewählten Künstler kommen aus verschiedensten Kulturkreisen und Generationen.
Zum einen haben wir ältere Konzeptkünstler wie David Tremlett und Lawrence Weiner
eingeladen, deren Werk auf eine gewisse Affinität zum Thema schließen lässt.
Zum anderen haben wir Künstler der mittleren Generation wie Pedro Cabrita Reis oder
George Hadjimichalis ausgewählt, die sich bereits eingehend mit dem Themenbereich
Stadt/Architektur auseinandergesetzt haben. Künstler aus Osteuropa bilden einen
weiteren Schwerpunkt. Mit Brian O'Connell und Lucas Lenglet haben wir auch Künstler
der jüngsten Generation ausgewählt, die sich mit Formen und Fragestellungen der
Moderne wieder stärker befassen.
