Schopenhauerstrasse 5-6
Brian O'Connell
Homes for German Sculpture, 2006
Links: Ranch 3 Times,
Holz, Lack, 52.5 x 41.4 x 50.7 cm
Mitte hinten: 16 C-prints, je 40.6 x 30.5 cm
Rechts: Cape Code,
Holz, Lack, 59.5 x 21 x 20.5 cm
Courtesy Brian O'Connell & Adamski Gallery, Aachen
Fotos: Krzysztof Zieliński / European Art Projects
Den Schwerpunkt im ehemaligen Lazarett an der Schopenhauerstraße bilden
Arbeiten, die sich – im weitesten Sinne – mit unsichtbaren Städten auseinandersetzen.
Bis heute lassen sich Künstler von Calvinos Buch anregen, wie beispielsweise
Carlos Garaicoa, der schon im Titel seiner Serie filigraner, beinahe unsichtbarer
Wandzeichnungen jeder Stadt das Recht einräumt, sich Utopia zu nennen.
In Rui Calçada Bastos’ Video Mirror Suitcase Man bleibt die Stadt als Raum unsichtbar,
ihr Bild wird nur ausschnittartig reflektiert. Auch Krzysztof Zielińskis Serie
'Hometown', eine fotografische Reflexion seiner Geburtsstadt, liefert nicht etwa ein
dokumentarisches Portrait, sondern ist eher eine Sammlung von Situationen,
hinter der die eigentliche Stadt verborgen bleibt. Albrecht Schäfer rekonstruiert
nicht realisierte Entwürfe für den Alexanderplatz, und George Hadjimichalis’
Workshop of Projects and Images in Crisis birgt ein exorbitantes Archiv,
eine malerisch-analytische Kartografie, die auch die Spuren untergegangener
Städte verzeichnet. Jonas Dahlberg dagegen findet die unsichtbaren Städte
fern aller Utopien in den gesichtslosen, unspezifischen Siedlungen mittlerer Größe,
in denen das Gros der Weltbevölkerung ihr Zuhause hat. Nicht unähnlich hat
Dan Graham bereits 1966 mit seiner Diaprojektion Homes for America
die Charakteristika austauschbarer, vorfabrizierter Vorstadtarchitektur untersucht,
die für ihn maßgeblich zur Entwicklung der reduzierten, seriellenFormensprache
der Minimal Art beigetragen haben. Ola Kolehmainens großformatige Fotografien
aus den letzten Jahren sind ebenso wie Anton Vidokles ‚populäre Geometrien’
sachliche Analysen von Architektur und Fassadenstrukturen, zugleich aber auch
eine Hommage an das strenge Raster. Am augenfälligsten ist die Verbindung
von Raster und Stadt vielleicht in Melanie Smiths Video Spiral City, das den
Betrachter in einer Art rauschhaftem Sog in das ausufernde Raster der
Millionenstadt Mexiko City zieht. Einer Stadt, in der der Einzelne verloren geht,
die so schnell wächst, dass sie weder zu kartografieren noch zu kontrollieren
ist, eine Megacity, sicher keine ‚Ideale Stadt’, aber für die Künstler womöglich
inspirierender als alle künstlichen Paradiese.
Weitere Informationen über Francis Alÿs, Colin Ardley, Rui Calçada Bastos,
Brian O'Connell, Jonas Dahlberg, Carlos Garaicoa, Dan Graham,



















